
Dunja Hayali, geboren am 6. Juni 1974 im nordrhein-westfälischen Datteln, gehört seit fast zwei Jahrzehnten zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Als Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins und seit Februar 2023 auch des heute journals steht sie täglich vor Millionen Zuschauern. Was viele wissen: Sie spricht Arabisch und tritt lautstark gegen Rassismus ein. Was seltener erzählt wird: Wie sehr ihre irakischen Eltern diese Haltung geprägt haben.
Herkunft aus dem Norden des Irak
Vater und Mutter: Medizin als gemeinsamer Weg nach Europa
Ihre Eltern stammten aus dem Nord-Irak und waren in den 1950er Jahren unabhängig voneinander nach Wien gegangen, wo ihre bereits verstorbene Mutter, eine chaldäisch-katholische Christin, Pharmazie und ihr Vater, syrisch-orthodox, Medizin studierte. Beide Elternteile schlugen damit Wege ein, die sie zunächst voneinander trennten und schließlich zusammenführten. Von Wien aus zog die Familie nach Deutschland, wo Hayalis Vater zuerst als Chirurg in einem Krankenhaus tätig war und sich später als niedergelassener Arzt in Datteln eine eigene Praxis aufbaute. Ihre Mutter arbeitete dort mit.
Eine Ärztefamilie mit Migrationshintergrund
Die medizinische Prägung zieht sich durch die gesamte Familie: Hayalis älterer Bruder wurde ebenfalls Arzt, ihre elf Jahre ältere Schwester Maha arbeitete zunächst als Arzthelferin und später in einem Krankenhaus. Dunja Hayali war damit das einzige Familienmitglied, das einen anderen Berufsweg einschlug. Der Weg ihrer Eltern vom Irak über Wien nach Deutschland hat ihr nach eigenen Angaben vor Augen geführt, welchen Wert offene Gesellschaften und demokratische Strukturen haben.
Christliche Wurzeln, zwei Konfessionen
Die religiöse Situation der Familie spiegelt die Komplexität der irakischen Christengemeinschaft wider: Die Mutter gehörte der chaldäisch-katholischen Kirche an, der Vater war syrisch-orthodox. Hayali selbst wuchs katholisch auf, war in ihrer Jugend Messdienerin und trat später bewusst aus der Kirche aus.
Aufgewachsen im Ruhrgebiet
Datteln als Heimat, Irak als Ferne
Hayali wuchs in Datteln auf und legte 1994 in Oer-Erkenschwick ihr Abitur ab. Obwohl ihre Eltern aus dem Irak stammten, beschreibt sie sich als durch und durch deutsch geprägt. Erst mit dem Beginn ihrer Fernsehkarriere wurde sie auf ihre Herkunft angesprochen, wie sie selbst öffentlich geschildert hat. Den Begriff Heimat empfindet sie in Deutschland als zu eng gefasst, was sie in ihrem 2018 erschienenen Buch „Haymatland: Wie wollen wir zusammenleben?” verarbeitete.
Sport statt Medizin
In ihrer Jugend war Hayali vielseitig sportlich aktiv: Sie spielte Volleyball und Fußball, trainierte Judo und betrieb bis zu ihrem 15. Lebensjahr Tennis als Leistungssport. Diese Begeisterung führte sie 1995 an die Deutsche Sporthochschule in Köln, wo sie bis 1999 Medien- und Kommunikationswissenschaften studierte. Der Weg in den Journalismus begann mit Praktika bei Radio- und Fernsehsendern während des Studiums.
Die Eltern als Spiegel der eigenen Haltung
Bilder aus dem Irak, die nicht vergehen
Die persönliche Verbindung zum Irak hat Hayalis journalistische Haltung direkt beeinflusst. Als sie die Fernsehbilder aus Aleppo verfolgte, erinnerte sie sich öffentlich daran, wie ihre Eltern einst schlaflos durch das Haus gingen, während Raketen über den Irak flogen und sie nächtelang versuchten, telefonisch Kontakt zu Verwandten in Bagdad aufzunehmen. Diese Erfahrung habe ihr gezeigt, was es bedeutet, als Familie in Deutschland zu sitzen und hilflos zuzusehen.
Engagement gegen Rassismus als persönliche Konsequenz
Dunja Hayali hat die deutsche Staatsbürgerschaft und spricht Arabisch. Ihre Herkunft hat sie nicht nur geformt, sondern auch zur Zielscheibe gemacht: Wegen ihrer irakischen Eltern, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus wurde sie wiederholt mit Hasskommentaren und Drohungen konfrontiert. 2018 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sie mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aus. Im selben Jahr erschien ihre Autobiografie „Haymatland” und sie erhielt die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information”.
Seit Ende Februar 2023 verstärkt Dunja Hayali das Moderationsteam des heute journals und ist weiterhin im ZDF-Morgenmagazin im Einsatz. Ihre irakischen Wurzeln sind dabei kein Randaspekt ihrer Biografie, sondern der Ausgangspunkt einer Haltung, die sie täglich vor der Kamera einbringt.
