
Die Berliner Linken-Fraktionschefin Elif Eralp ist verheiratet und hat zwei Kinder, mehr sagt sie nicht: kein Name des Mannes, kein Alter der Kinder. Erst ein Spiegel-Bericht vom 29. Oktober 2026 machte ihre Sorge um die Familie zum Thema. Laut Bild erhält sie seitdem Personenschutz.
Drei Stichworte in der Vita
Auf ihrer Website steht zur Familie nur „verheiratet, 2 Kinder“. Der Name ihres Ehemanns, sein Beruf und das Hochzeitsdatum sind nicht öffentlich, ebenso Namen und Geschlecht der Kinder. Etwas persönlicher wurde Eralp nur beim Thema Wohnen: Sie sucht nach eigenen Angaben seit Jahren erfolglos eine größere Mietwohnung für die Familie, und zwar im Wahlkampf, in dem Mieten ihr Hauptthema waren.
Der Bericht vom 29. Oktober
Der Spiegel berichtete über interne Anmerkungen zu einem Interview mit Eralp, die ihr Büro versehentlich mitgeschickt hatte. Darin äußerte sie, sie und ihr Mann hätten Angst vor einem bestimmten Aktivisten aus dem propalästinensischen Spektrum, dessen Namen sie nicht nennen wollte. Eralp sagte am selben Tag vor Journalisten: „Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen.“ Dass sie sich um ihre Familie sorge, sei normal.
Ihr Sprecher erklärte, sie sei als Bürgermeisterkandidatin seit Monaten täglich Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Das Landeskriminalamt hatte dem Spiegel zufolge keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung. Die Linke prüft, ob der Spiegel die Anmerkungen veröffentlichen durfte, und will sich dazu an den Presserat wenden.
Wo sich fast alle einig sind
Landeschef Maximilian Schirmer sagte: „Wer sich um sich oder um seine Familie sorgt, muss sich dafür nicht schämen.“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte, Politiker dürften nicht um ihre Familie fürchten müssen. Bodo Ramelow (Linke) nannte den Bericht „mehr als fragwürdig“.
Die Kritik zielt auf etwas anderes: Mehrere Sicherheitspolitiker von SPD, CDU und Grünen sowie der Zentralrat der Juden stellten die Frage, ob eine Partei regieren kann, deren Spitzenfrau sich so äußert. Eralp versprach, mit allen Mitteln gegen Terror, Gewalt und organisierte Kriminalität vorzugehen. Der Linken-Landesparteitag am 31. Oktober entscheidet über Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen.
Eltern, die vor dem Putsch flohen
Eralps Eltern waren in der Türkei als Sozialisten und Gewerkschafter aktiv und wurden dort mehrfach inhaftiert. Nach dem Putsch von 1980 flohen sie, die Mutter war hochschwanger. Elif kam im Januar 1981 in München zur Welt, nach zwei Jahren erhielt die Familie Asyl. Der Vater arbeitete später als Arzt.
Die Mutter Hülya Eralp ist Feministin und Publizistin, in mehreren Porträts wird sie auch als Krankenschwester beschrieben. Nach dem Wahlsieg sagte sie der Nachrichtenagentur Anadolu, sie sei stolz und habe nicht mit so vielen Stimmen gerechnet. Türkischen Medien erzählte sie, im Haus der Familie seien immer Migranten, Arbeiter und Antirassismus-Aktivisten ein- und ausgegangen. Die Familie zog nach Dortmund und dann nach Hamburg. Eralp wurde mit 14 oder 15 gemeinsam mit ihrer Mutter eingebürgert und hat die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit.
